Freiheit hei§t, Verantwortung zu Ÿbernehmen
von Gustav Mechlenburg

Frithjof Bergmann fordert ein neues VerstŠndnis von Arbeit. Der Philosophie-Professor an der University of Michigan, bekannt durch sein Konzept der Neuen Arbeit, legt in "Freiheit leben"
die philosophischen Grundlagen seines Lebenswerks dar.
Bei acht Stunden BŸro in kippsicheren ergonomischen StŸhlen wuchert eine Idee von Freiheit, die das Grenzenlose, auch das grenzenlos UnvernŸnftige propagiert. Wie in dem Werbespot, wo es darum geht, Autos in "Vier gewinnt"-Manier auf einem Parkplatz zu arrangieren. Im Trailer hei§t es dazu im Jugendherbergston: "Tu nicht so erwachsen!"

Es sind solche Trivialisierungen, Ÿber die sich der Arbeitstheoretiker Frithjof Bergmann empšrt. Freiheit sei eben nicht die Abwesenheit von Grenzen, schreibt Bergmann im aktuellen Vorwort zur deutschen †bersetzung seiner bereits 1977 erschienennen Habilitationsschrift "On Being Free". Grenzenlosigkeit sei eine Idee, die zum Scheitern verurteilt ist, weil sie nicht zu leben ist. Freiheit ist fŸr Bergmann etwas ganz anderes. Freiheit bedeutet Verantwortung fŸr die eigenen Handlungen. Nur wer sich frei entscheidet, kann sich mit der Sache, der er sich widmet, identifizieren. Und umgekehrt, nur wer sich mit seinen Handlungen identifiziert, ist frei. Deshalb bewertet er Demokratie als beste Regierungsform - weil sie das intelligenteste und effektivste System darstellt. Menschen kšnnen wŠhlen, sie dŸrfen sich identifizieren. Es wŠre schšn, wenn das auch fŸr die Arbeitswelt gŠlte.

Das Attraktive an der "New Work"- Bewegung, die weltweit stetig AnhŠnger gewinnt, ist ihre Ideologielosigkeit. Gleicherma§en lassen sich seine Ideen zur Effizienzsteigerung eines Unternehmens, zur sozialeren Gestaltung von Staaten oder als Lebens-
konzept kapitalismuskritischer Aussteiger oder sozial-škologischer Umdenker nutzen.

Beteiligung ist das Stichwort, bei dem Bergmann einhakt. In seinen Augen ist es ein Skandal, wie viel Energie in fremd bestimmten und damit undemokratischen Arbeitsprozessen vergeudet wird.
Dabei gebe es leicht zu verwirklichende Alternativen, sagt Bergmann. Man kšnnte hŠufiger seinen Arbeitsplatz wechseln. Ein Rotationsprinzip schŸtzt vor Stumpfsinn genauso wie vor SelbstŸberschŠtzung und Arroganz gegenŸber anderen Berufsgruppen. NatŸrlich kann ein Neurochirurg nicht mit einem Tšpfer den Arbeitsplatz tauschen, wohl aber die SekretŠrin mit dem Verkaufsleiter.
Noch nicht revolutionŠr genug, dieser Ansatz? Bergmann geht noch weiter und fordert, Arbeit und Lebensunterhalt zu entkoppeln. Das wŸrde die Gesellschaft in einem noch nie da gewesenem Ma§e befreien. Der Tag, an dem man fŸr Geld nur noch drei, vier Stunden die Woche arbeiten muss, sei nicht mehr fern.
Das Festklammern an der Idee der VollzeitbeschŠfti- gung hŠlt Bergmann fŸr "hysterisch". Es stehe in immer grš§erer Diskrepanz zur technisch mšglichen Automati- sierung. Was ist schlimm daran, fragt Bergmann, stumpfsinnige ArbeitsplŠtze mit Automaten zu beset- zen?
So utopisch manches von dem anmutet, was Bergmann in dieser vor 28 Jahren erstmals veršf- fentlichen Schrift auffŸhrt, philosophisch ist sein Buch fundiert und rhetorisch ist es brillant. Vergleicht man "Freiheit leben" mit Bergmanns "Neue Arbeit - Neue Kultur" aus dem vergangenen Jahr, hat sich an seinen Grundthesen kaum etwas geŠndert. DafŸr an ihrer Bekanntheit.

Neue Arbeit - Neue Kultur . Informationen & links geposted von A. Loewenberg im Zusammenhang mit ihrem Vortrag im EINSTELLUNGSRAUM am 09.12.2005


Links:
http://www.newwork-newculture.net/projekte.html
http://www.brandeins.de/home/index.asp
http://www.zw-jena.de/arbeit/bergmann.html
http://www.wie.org/DE/misc/helfen.asp

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